Überlastung erkennen und vermeiden

Die Arbeitswelt steht aktuell unter einem enormen Belastungsdruck. Aktuelle Daten und Studien aus den Jahren 2024 und 2025 verdeutlichen, dass die Überlastung der Beschäftigten in Deutschland ein Rekordniveau erreicht hat: 

  • Hohes Stresslevel: Laut dem TK-Stressreport 2025 fühlen sich zwei Drittel der Menschen in Deutschland häufig oder manchmal gestresst (66 %).
  • Psychische Erschöpfung: Etwa 44 % der Beschäftigten geben an, sich durch ihre Arbeit mental erschöpft oder ausgebrannt zu fühlen.
  • Burnout-Gefahr: 61 % der Berufstätigen schätzen ihr persönliches Burnout-Risiko als mittel oder hoch ein. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen mit einem Risiko von 18 %.
  • Arbeitsverdichtung: Jeder zweite Erwerbstätige (51 %) beobachtet einen gestiegenen Zeitdruck bei der Erledigung seiner Aufgaben. Zudem leisten Arbeitnehmer in Deutschland Überstunden in einem Umfang, der rechnerisch mehr als 750.000 Vollzeitstellen entspricht.
  • Krankenstand: Psychische Erkrankungen sind mittlerweile eine der Hauptursachen für Fehlzeiten. Der allgemeine Krankenstand lag im ersten Halbjahr 2025 bei durchschnittlich 5,4 %.
  • Sinkendes Engagement: Die emotionale Bindung zum Arbeitgeber nimmt ab; laut Gallup sind nur noch 45 % der Beschäftigten in Deutschland mit ihrem Leben zufrieden, was im europäischen Vergleich einen deutlichen Abwärtstrend darstellt. 

Arbeitgeber sollten auf das Rekordniveau der Überlastung nicht nur punktuell, sondern mit einem systemischen Kulturwandel reagieren. Im Jahr 2025 rückt dabei ein „Human-Centric“-Ansatz in den Fokus, der technologische Effizienz mit menschlichen Bedürfnissen in Einklang bringt. 

Zentrale Handlungsfelder für moderne Arbeitgeber:

1. Prävention und Gefährdungsbeurteilung

  • Gesetzliche Pflicht ernst nehmen: Arbeitgeber sind verpflichtet, psychische Gefährdungsbeurteilungen (gemäß § 5 ArbSchG) durchzuführen und zu dokumentieren.
  • Frühwarnsysteme etablieren: Führungskräfte müssen geschult werden, Anzeichen von Überlastung – wie steigende Fehlzeiten oder sinkende Produktivität – proaktiv zu erkennen, bevor sie in einem Burnout münden. 

2. Strukturelles Kapazitätsmanagement

  • Realistische Personalbemessung: Überlastung entsteht oft durch Wachstum ohne Kapazitätsprüfung. Arbeitgeber sollten die Personalplanung am tatsächlichen Bedarf ausrichten, insbesondere bei Belastungsspitzen am Flughafen.
  • Arbeitsverdichtung stoppen: Klare Priorisierungen und die Reduzierung unnötiger bürokratischer Prozesse helfen, den täglichen Zeitdruck zu mindern. 

3. Förderung einer gesunden Unternehmenskultur 

  • Empathisches Leadership: Der Fokus verschiebt sich von reiner Ergebnisorientierung hin zu Empathie und emotionaler Intelligenz. Führungskräfte sollten durch regelmäßige 1:1-Check-ins Unterstützung signalisieren.
  • Klare Grenzen setzen: Arbeitgeber müssen eine Kultur fördern, in der Erreichbarkeit nach Feierabend nicht erwartet wird und das Nutzen von Urlaubstagen sowie Pausen aktiv unterstützt wird. 

4. Flexibilität und Unterstützung

  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Wo immer möglich, senken flexible Zeitpläne den Stresspegel und verbessern die Work-Life-Balance.
  • Unterstützungsangebote: Der Zugang zu Employee Assistance Programs (EAP) oder Mental-Health-Ressourcen sollte niederschwellig gestaltet sein.

TK-Stressreport 2025
https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/stressreport-2025-2206714?tkcm=ab

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