Der Luftverkehr ist bedingt durch den Irankrieg in der Krise. Wegen der hohen Kerosinpreise hat die Airline Lufthansa außerdem das Aus ihrer Tochter Cityline vorgezogen. Dies trifft auch Großflughäfen wie München.
Eine Entscheidung der Unternehmensführung, bei Personalkosten, Zeitguthaben und Bildung zu sparen, während gleichzeitig externe Krisen wie der Irankrieg und das Aus der Lufthansa CityLine den Betrieb belasten, hätte tiefgreifende Auswirkungen auf die Beschäftigten am Campus.
1. Massive psychische und physische Belastung
- Arbeitsverdichtung: Durch das CityLine-Aus entfallen wichtige Zubringerflüge, was zu unregelmäßigen Passagierspitzen und erhöhtem Stress in der Abfertigung führt.
- Überstunden-Druck: Die Kürzung von Zeitguthaben zwingt Mitarbeiter unter Umständen dazu, Mehrarbeit ohne zeitnahen Freizeitausgleich zu leisten. Dies führt laut Gewerkschaften zu einer „Erschöpfungsspirale“ in operativen Bereichen wie der Bodenabfertigung (AeroGround).
- Frustration durch „Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Während bei der FMG-Kernbelegschaft gespart wird, rüstet die Lufthansa parallel 33.000 Mitarbeiter neu ein, was das Gefühl der Ungleichbehandlung am Standort verstärkt.
2. Qualifikationsverlust und Karrierestau
- Wissenslücke: Die Kürzung von Bildungsmaßnahmen verhindert die notwendige Weiterqualifizierung für neue Technologien oder Sicherheitsstandards. Dies gefährdet langfristig die Effizienz und Sicherheit am Hub.
- Fehlende Aufstiegschancen: Einsparungen im Bereich der Führungskräfteentwicklung (wie das verzögerte Qualifizierungsprogramm) dämpfen die Motivation und führen zur Abwanderung von High-Potentials in andere Branchen.
3. Verschärfung des Fachkräftemangels
- Attraktivitätsverlust: Trotz Auszeichnungen als attraktiver Arbeitgeber in der Vergangenheit schreckt der Sparkurs potenzielle Bewerber ab. Neueinsteiger benötigen am Flughafen München zudem lange Einlernphasen (teils bis zu zwei Jahre für volle Einsatzfähigkeit), die durch fehlende Ressourcen weiter verzögert werden.
- Fluktuation: Die Kombination aus hoher Arbeitslast und stagnierenden Sozialleistungen treibt erfahrene Kräfte zu attraktiveren Arbeitgebern in der florierenden Flughafenregion Erding/Freising.
4. Eskalierende Arbeitskonflikte
- Streikbereitschaft: Gewerkschaften wie ver.di und UFO nutzen die Unzufriedenheit für massive Warnstreiks, um faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen (wie die Forderung nach 20 Euro Stundenlohn in der Sicherheit) durchzusetzen.
- Verhärtete Fronten: Das Vertrauen zwischen Belegschaft und Management ist durch den harten Sparkurs während einer Rekordumsatz-Phase (über 64 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr) massiv gestört.
Unserer Auffassung nach gäbe es bessere und effizientere Gegenmaßnahmen, welche das Management prüfen und gegebenenfalls umsetzen sollte:
1. Kurzfristiges Krisenmanagement für Passagiere und Betrieb
- Ausweitung von Intermodal-Angeboten: Da viele Zubringerflüge (z.B. von Stuttgart nach München) durch das CityLine-Aus entfallen, sollten Kooperationen mit der Bahn (Lufthansa Express Rail) massiv ausgebaut werden, um die Erreichbarkeit der Drehkreuze sicherzustellen.
- Transparente Kommunikation zu Fluggastrechten: Da die EU-Kommission hohe Treibstoffpreise nicht als außergewöhnlichen Umstand ansieht, haben Passagiere bei Annullierungen weiterhin Anspruch auf Erstattung oder Umbuchung. Flughäfen müssen hierfür Support-Kapazitäten vor Ort erhöhen.
- Effizientes Fuel-Management: Einsatz von Verfahren wie „Tankering“, bei dem Flugzeuge an Standorten mit besserer Versorgung oder niedrigeren Preisen mehr Treibstoff aufnehmen, um Tankstopps an teuren oder unterversorgten Hubs zu vermeiden
2. Maßnahmen für Großflughäfen wie München
- Diversifizierung der Kerosin-Bezugsquellen: Um die Abhängigkeit von Importen aus dem Nahen Osten (früher bis zu 75%) zu verringern, müssen verstärkt Lieferketten aus anderen Regionen oder über alternative Seehäfen und Pipelines gesichert werden.
- Flexibilisierung der Entgeltstrukturen: Vorübergehende Anpassung von Start- und Landegebühren für besonders effiziente Flugzeugtypen, um Airlines Anreize für den Einsatz modernerer Flotten zu geben.
- Infrastruktur für Sustainable Aviation Fuel (SAF): Beschleunigter Aufbau von Tankinfrastruktur für synthetische Kraftstoffe, um langfristig unabhängiger von fossilen Preisvolatilitäten und geopolitischen Blockaden in der Golfregion zu werden.
Sparmaßnahmen hauptsächlich an Arbeitsbedingungen zu knüpfen ist ein verheerendes Signal und lässt sich als „Verwaltung des Mangels auf dem Rücken der Loyalität“ zusammenfassen.
Die FMG riskiert ihren Ruf als „Premium-Arbeitgeber“. In einem Markt, der händeringend Fachkräfte sucht, wirkt ein Sparkurs wie eine Einladung an die Konkurrenz, die frustrierten Experten des Flughafens abzuwerben.




