Ein effektives Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) an einem Flughafen muss den ganzheitlichen Ansatz verfolgen und die extremen physischen wie psychischen Belastungen der verschiedenen Berufsgruppen (Bodenpersonal, Luftsicherheit, Verwaltung) berücksichtigen.
Struktur und Aufstellung des Gesundheitsmanagements
Um den Erfolg eines BGM an einem Flughafen sicherzustellen, sollte es auf vier wesentlichen Säulen basieren:
• Arbeits- und Gesundheitsschutz:
Dies ist die gesetzliche Basis. Am Flughafen stehen hier die Lärmprävention (Schutz vor Gehörschäden bei bis zu 140 dB beim Start), die Ergonomie beim Gepäckhandling sowie der Schutz vor ultrafeinen Partikeln im Vordergrund.
• Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM):
Ein strukturierter Prozess, um Langzeiterkrankte nach Fehlzeiten wieder gesund in den komplexen Flughafenbetrieb (z. B. Schichtdienst) zu integrieren.
• Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF):
Freiwillige Angebote wie firmeninterne Fitnessstudios, Kurse zu gesundem Schlaf für Schichtarbeiter oder Ernährungsberatung.
• Personalentwicklung:
Schulung von Führungskräften zur „gesunden Führung“, um die psychische Belastung in stressintensiven Bereichen wie der Sicherheitskontrolle zu senken.
Best Practice:
Große Standorte wie der Flughafen München nutzen Kennzahlensysteme, um Maßnahmen wie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gezielt zu steuern.
________________________________________
Die Rolle des Betriebsrats
Der Betriebsrat ist nicht nur Begleiter, sondern ein zentraler Mitgestalter. Ohne seine Zustimmung können wesentliche Teile des BGM nicht rechtssicher eingeführt werden.
• Mitbestimmungsrecht nutzen:
Gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG hat der Betriebsrat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht beim Gesundheitsschutz. Er kann eigene Initiativen starten, um beispielsweise Entlastungen bei Nachtschichten durchzusetzen.
• Einrichtung eines Gesundheitsausschusses:
Bei der Größe eines Flughafens empfiehlt es sich, einen spezialisierten Ausschuss nach § 93 BetrVG zu bilden, der sich ausschließlich mit Arbeitssicherheit und BGM befasst.
• Mitwirkung im Gesundheitszirkel:
Der Betriebsrat sollte fester Bestandteil des Steuerungsgremiums (Gesundheitszirkel) sein, in dem auch der Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Geschäftsführung vertreten sind.
• Abschluss von Betriebsvereinbarungen:
Rechtliche Sicherheit schaffen durch Vereinbarungen zu Themen wie „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen“ oder der Nutzung von Gesundheitsdaten, um den Datenschutz der Mitarbeiter zu wahren.
• Kontrolle und Evaluation:
Der Betriebsrat überwacht, ob die beschlossenen Maßnahmen (z. B. Lärmschutzwände oder Pausenregelungen) in der Praxis ankommen und tatsächlich zur Senkung des Krankenstandes beitragen.
Kennzahlen:
Um den Erfolg des Gesundheitsmanagements messbar zu machen und gegenüber der Geschäftsführung schlagkräftige Argumente zu haben, sollte der Betriebsrat besonders auf diese drei Kennzahlen (KPIs) achten:
1. Die BEM-Quote (Betriebliches Eingliederungsmanagement)
Diese Zahl zeigt nicht nur, wie viele Mitarbeiter länger als sechs Wochen krank waren, sondern vor allem, wie viele davon ein BEM-Gespräch angenommen haben und wie viele dieser Verfahren erfolgreich (mit Erhalt des Arbeitsplatzes) abgeschlossen wurden.
• Warum für den BR wichtig?
Eine hohe Erfolgsquote beweist, dass das BGM aktiv hilft, Arbeitsplätze am Flughafen trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu sichern.
2. Der Gesundheitsindex (aus Mitarbeiterbefragungen)
Anstatt nur auf den „Krankenstand“ zu schauen (der oft nur Vergangenheitswerte liefert), misst der Gesundheitsindex das aktuelle Wohlbefinden und die psychische Belastung. Dies geschieht meist über anonyme Befragungen zur Arbeitszufriedenheit, Führungskultur und Stressbelastung.
• Warum für den BR wichtig?
Er dient als Frühwarnsystem, bevor der Krankenstand tatsächlich steigt, und liefert Daten für die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.
3. Die Partizipationsrate (Teilnahmequote)
Diese Kennzahl misst, wie viel Prozent der Belegschaft die angebotenen Maßnahmen (z. B. Rückenschule für Koffer-Lader, Schlaf-Coachings für die Flugsicherung) tatsächlich nutzen.
• Warum für den BR wichtig?
Wenn die Quote niedrig ist, passt das Angebot oft nicht zu den Arbeitszeiten (z. B. Schichtdienst). Der Betriebsrat kann hier intervenieren, damit Angebote so gestaltet werden, dass sie für alle erreichbar sind.
#GesundArbeiten #gesundheit #arbeit #mitarbeiter #fckollegial #Betriebsrat #Arbeitswelt
F.C. Kollegial FMG = Liste 3
F.C. Kollegial AE = Liste 1




